Lateinasse starten beim 39. Landeswettbewerb Alte Sprachen
Zu einer besonderen Premiere kam es beim 39. Landeswettbewerb Alte Sprachen, der jährlich vom Staatsministerium für Unterricht und Kultus in Kooperation mit der Elisabeth-J.-Saal-Stiftung durchgeführt wird: Gemeinsam gingen vier Schülerinnen und Schüler des Carolinums und des Platens an den Start. Alle Vier belegen Latein als Leistungsfach. Im Zuge der Kooperation der beiden Gymnasien in der Profil- und Leistungsstufe wird der fünfstündige Kurs am Carolinum unterrichtet. Kursleiterin ist StRin Marion Schneider. Unter den vier Kandidaten war Johannes Dietrich vom Gymnasium Carolinum. Ihm ist das Kunststück gelungen, beim Bundeswettbewerb Fremdsprachen mit den Sprachen Altgriechisch und Italienisch auf Bundesebene einen spektakulären zweiten Platz zu erringen!
Der Landeswettbewerb wendet sich an Schülerinnen und Schüler, die sich übersetzend und kreativ mit den Grundlagen Europas auseinandersetzen wollen. Das Niveau ist sehr hoch angesiedelt In den bisher 38 Runden konnte nur eine Platenserin den bayernweiten Lateinwettbewerb gewinnen. Immerhin schafften es zwei weitere Schüler in die Runde der besten Zehn des Landes.
In der dreistündigen Klausur der 1. Runde drehte sich alles um Medizin. Zunächst war eine Perikope aus dem berühmten Werk „de medicina“ zu übersetzen. Der Arzt und Fachschriftsteller A. Cornelius Celsus skizziert die Anfänge der Heilkunst. Diese wird vom Gott Äskulap persönlich eingesetzt und von den Griechen in besonderer Weise gepflegt. Die Söhne des Gottes folgten König Agamemnon nach Troja und praktizierten dort im Feldlazarett. Auch die prägenden Philosophen Pythagoras, Empedokles und Demokrit verstanden sehr viel von Medizin. Universalgenies eben! Der berühmte Hippokrates von Kos – der Hippokratische Eid war Gegenstand des Aufgabenteils – hat die Medizin von der Philosophie abgekoppelt. Bald wurde sie in die Bereiche Diätetik (gesunde Lebensführung), Pharmazie und Chirurgie aufgeteilt. Im Aufgabenteil des Wettbewerbs waren medizinische Sentenzen aus vorgegebenen Lateinvokabeln zu formulieren. Etwa: „Medicus curat, natura sanat.“ Der Arzt behandelt, die Natur heilt. Auch elegische Distichen von Heinrich Ritze, der sich in der Epoche des Humanismus lieber Euricius Cordus nannte, waren zu interpretieren: Die drei Gesichter eines Arztes! Zum Abschluss ging es an den Eingang eines Gebäudes der weltberühmten Charité in Berlin: „Hic locus est, ubi mors gaudet succurrere vitae.“ Welcher medizinische Fachbereich ist dort wohl untergebracht, wo der Tod Freude daran hat, den Lebenden zu Hilfe zu eilen?
Zu hoffen ist, dass die vier Lateiner sich für die zweite Runde, an der die besten 50 Lateiner Bayerns teilnehmen dürfen, qualifizieren: Dum spiro, spero.
Zum Seitenanfang
|
Zurück zu Artikel und Neuigkeiten
Shortlink