Erstes G9-Abitur am Platen – „Aufbruch“ in einen neuen Lebensabschnitt
41 Abiturientinnen und Abiturienten des Platen-Gymnasiums feiern ihren Schulabschluss – einmal gab es sogar die Traumnote 1,0!
Bereits der Gottesdienst griff das zentrale Thema des Tages auf. Ein Wegweiser auf dem Titelblatt des Programmhefts symbolisierte die vielen Richtungen, die den jungen Menschen nun offenstehen. Pfarrerin Tanja Rohse und Stefan Rupp knüpften in ihrer Ansprache daran an. Aufbruch bedeute nicht nur, eigene Entscheidungen zu treffen, sondern den Weg mit Vertrauen zu gehen – und sich dabei nicht nur von Gott begleiten zu lassen, sondern aktiv mit Gott mitzugehen.
Besonders eindrucksvoll empfand Rohse den Segenskreis des Chores, der die Abiturientinnen und Abiturienten während des Segensliedes umrahmte. „Das war für mich ein richtiger Gänsehautmoment“, sagte sie später. Ebenso wichtig seien ihr die von den Schülerinnen und Schülern selbst formulierten Fürbitten gewesen: „Sie lenken den Blick weg von sich selbst und hin zu anderen Menschen. Das ist der eigentliche Sinn von Fürbitten. Und das in den selbst verfassten Texten zu hören, war berührend.“
Musikalisch wurde der Gottesdienst von Bläserensemble, Chor, Vokalensemble und einem Streichquartett gestaltet. Unter der Leitung von Carola Eigenberger und Stephan Goldhahn sorgten zahlreiche Mitwirkende für einen stimmungsvollen Rahmen. Besonders eindrucksvoll waren die Beiträge von Leon Burkel und Julian Pötzl an Gitarre und Cajón sowie eine berührende Eigenkomposition am Klavier, die Sarah Windhövel eigens für diesen Anlass vortrug. Gemeinsam gesungene Lieder wie „Sing mit mir ein Halleluja“ oder „Wo Menschen sich vergessen“ unterstrichen die feierliche und zugleich hoffnungsvolle Atmosphäre. Auch mehrere Abiturientinnen und Abiturienten gestalteten das musikalische Programm aktiv mit – ein Zeichen dafür, wie sehr sie sich mit der Schulgemeinschaft identifizieren.
Anschließend versammelten sich Familien, Lehrkräfte und Ehrengäste zur Zeugnisverleihung. Oberstufenkoordinator Simon Scherer erinnerte daran, dass dieser Jahrgang eine besondere Rolle eingenommen habe. Als erster vollständiger G9-Jahrgang sei vieles Neuland gewesen. Die neue Profil- und Leistungsstufe habe sich erstmals bewähren müssen, gleichzeitig sei dank der Kooperation mit dem Gymnasium Carolinum ein vielfältiges Kursangebot entstanden. Gerade in Musik und Sport habe sich gezeigt, wie gewinnbringend Zusammenarbeit über Schulgrenzen hinweg sein könne. Zugleich betonte Scherer, dass das neue Abitur keineswegs leichter geworden sei. Es habe Ausdauer, Konzentration und Durchhaltevermögen verlangt. Umso größer sei die Freude über das Ergebnis: Alle 41 Schülerinnen und Schüler bestanden das Abitur.
Mit einem Augenzwinkern berichtete Scherer außerdem von einem besonderen Abschiedsgeschenk. Für den Jahrgang habe er mithilfe künstlicher Intelligenz einen kleinen „Walk of Fame“ gestaltet. „Ich wollte mich damit revanchieren, dass ihr beim Abischerz für eure Lehrerinnen und Lehrer einen Walk of Fame gestaltet habt, also Sterne mit den Namen Eurer Lehrerinnen und Lehrer, die ihr im Schulhaus ausgelegt habt.“, sagte er und sorgte damit für viele lachende Gesichter.
Auch Schulleiter OStD Tobias Herber griff in seiner Ansprache das Leitmotiv des Tages auf. Wie bereits im Gottesdienst verwies er auf den historischen Stein im Nordhof des Platen-Gymnasiums, der an einen Abiturjahrgang vor rund 80 Jahren erinnert. Dort finden sich die Worte des römischen Dichters Horaz „Sapere aude“ („Wage es, selbst zu denken“) sowie der berühmte Gedanke Immanuel Kants, den Mut zu haben, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. Beide Leitsätze passten, so Herber, in besonderer Weise zum diesjährigen Motto und zu einem Lebensabschnitt, in dem junge Menschen ihren eigenen Weg finden und Verantwortung übernehmen.
Auch die beiden Stufensprecher Fiona Hendrich und Marius Hofmockel blickten in ihrer Abschlussrede auf die vergangenen Jahre zurück. Aus anfänglichen Unsicherheiten seien Schritt für Schritt Verantwortung und ein starkes Gemeinschaftsgefühl entstanden. „Wir haben nicht nur Formeln, Vokabeln oder historische Daten gelernt“, erklärten sie stellvertretend für ihren Jahrgang. „Wir haben gelernt, Verantwortung zu übernehmen, füreinander da zu sein und unseren eigenen Weg zu finden.“
Besonders bewegend war ihr Dank an diejenigen, die sie auf diesem Weg begleitet hatten. „Auch wenn wir uns nicht immer erwachsen gefühlt haben, haben uns diese Jahre geprägt und verändert. Deshalb ist dieser Tag auch ein Tag des Dankes – an unsere Lehrerinnen und Lehrer, die uns begleitet, gefordert und gefördert haben.“ Ebenso richteten sie ihren Dank an ihre Eltern und Familien, ohne deren Unterstützung vieles kaum möglich gewesen wäre.
Die Grußworte von Elternbeiratsvorsitzendem Michael Alban und Oberbürgermeister Thomas Deffner machten deutlich, dass mit dem Abitur zwar ein wichtiger Abschnitt endet, zugleich aber zahlreiche neue Möglichkeiten beginnen. So zog sich das Motto „Aufbruch“ wie ein roter Faden durch den gesamten Nachmittag. Es stand für den Mut, neue Wege einzuschlagen, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln und den Blick hoffnungsvoll nach vorn zu richten.
Am Ende überwog nicht nur die Freude über hervorragende Leistungen und die außergewöhnliche Erfolgsquote mit fünfmal der Note 1,1 oder besser – darunter die Traumnote 1,0 für Frederico Schröer –, sondern vor allem das Bewusstsein, dass Schule weit mehr bedeutet als Unterricht und Prüfungen: Sie ist ein Ort, an dem Gemeinschaft entsteht, Freundschaften wachsen und junge Menschen lernen, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.
Mit dem von den Absolventinnen und Absolventen selbst organisierten Sektempfang klang der Festakt aus. Gespräche, Umarmungen und Erinnerungsfotos bestimmten das Bild, bevor sich die Wege der Schülerinnen und Schüler langsam trennten. Der Wegweiser auf dem Titelblatt des Gottesdienstes war damit mehr als nur ein Symbol geworden: Die Richtung müssen die jungen Erwachsenen nun selbst wählen. Doch die Botschaft des Tages begleitet sie weiter – Aufbruch bedeutet nicht nur, neue Wege zu gehen, sondern den Mut zu haben, sie voller Vertrauen zu beschreiten.
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