Ars remigandi

Fahrt der Lateinklasse 9ac auf einem römischen Ruderboot

Wie ein Bericht von Tacitus über die Flotte des Germanicus am Rhein zeigt, waren Schiffe für die Römer ein wichtiges Mittel im Kampf gegen die Germanen. Durch die Fahrt auf einem originalgetreuen Nachbau eines römischen Bootes zum Truppentransport konnten wir nacherleben, wie römische Legionäre einst in ebendiesen Kriegen die Gewässer Germaniens durchquerten.
Pünktlich zum 275. Jubiläum der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg wurde die FAN (Fridericiana Alexandrina Navis), ein Funden von römischen Patrouillenbooten aus Oberstimm bei Ingolstadt nachempfundenes Ruderboot, nach einem Jahr Bauzeit 2018 fertiggestellt. Die Erbauer um Prof. Dr. Boris Dreyer vom Lehrstuhl für Alte Geschichte der FAU achteten penibel darauf, dass das Schiff genau die gleichen Maße wie sein historisches Vorbild hatte. So bekam es beispielsweise eine Länge von 16 m, eine Breite von 2,7 m, 70 cm Tiefgang und Platz für fast 20 Ruderer.
In Anknüpfung an unsere diesjährige Lektüre von Auszügen aus Cäsars Schrift über die Eroberung Galliens hatte unsere Lateinlehrerin Frau Durongphan für den 11.07.19 eine Exkursion zur FAN organisiert. Nach unserer Ankunft am momentan von Eutrophierung betroffenen Dechsendorfer Weiher bei Erlangen, wo das Boot gerade vor Anker lag, bekamen wir von Prof. Dr. Dreyer eine Einführung in den römischen Schiffbau in Germanien und die römische Flotte allgemein. Dann ging es ans Riementragen und Flottmachen des Bootes. Unter dem Kommando des Professors selbst als praeco (Ausrufer und Taktgeber) und mit Herrn Wüstner als gubernator (Steuermann) legten wir ab und fanden schon sehr bald gemeinsam den richtigen Rhythmus, um das Schiff ins Gleiten zu bringen. Beeindruckt von unserer Teamleistung wagte sich Prof. Dr. Dreyer mit uns sogar an Spezialmanöver wie die Panzerwende. Auch konnte er uns unterwegs viele interessante Informationen zur Nutzung des Bootes in der Antike weitergeben, getreu dem Motto „Hier kommt Wissen in Bewegung“. Obwohl viele großen Einsatz zeigten, erreichten wir bei der eineinhalbstündigen Rundfahrt auf dem Weiher trotz mehrerer Versuche letztlich jedoch nie die theoretisch mögliche Spitzengeschwindigkeit von 6 Knoten (ca. 12 km/h).
Dank der experimentellen Archäologie an der FAU sowie insbesondere dank der Detailverliebtheit und des Perfektionismus von Prof. Dr. Dreyer und seinen Helfern wurde uns die Chance geboten, die Fahrt eines römischen Patrouillenschiffes nahezu vollkommen originalgetreu nachzustellen und nachzuempfinden – eine einzigartige Möglichkeit, die es sicher so nicht noch einmal geben wird.

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